Extracorporale Stoßwellen-Therapie (ESWT)

Die Ansätze der Sehnen unserer Muskeln an den Knochen sind teilweise erheblichen Belastungen ausgesetzt. Überschreiten diese Zugkräfte die Grenzen der Belastbarkeit der Sehnen, kann es zu einem Sehnenriss oder zu einer akuten oder chronischen, oft sehr schmerzhaften Sehnenansatzreizung kommen, der Arzt spricht von einer so genannten “Tendinose”.
Die übliche Erstbehandlung besteht in Kälteanwendung und einer bestimmten Massagetechnik. Oft reicht diese Therapie aber nicht aus. Als zweiter Schritt empfiehlt sich dann häufig eine Cortison-Injektion, die den lokalen entzündlich bedingten Schmerz nimmt.
Wegen der bekannten Nebenwirkungen des Cortisons sollten diese Injektionen aber nicht häufiger als 3 mal erfolgen. Wenn auch nach der dritten Injektion keine befriedigende Schmerzlinderung eingetreten ist, blieb bis vor wenigen Jahren nur die operative Behandlung die einzige Möglichkeit, Schmerzminderung zu erreichen, jedoch zum Preis einer wochenlangen Nachbehandlungszeit mit Arbeitsunfähigkeit und dem entsprechenden operativem Risiko.

Intensive Grundlagenforschung während der letzten 15 Jahre haben gezeigt, dass die Extrakorporale Stoßwellentherapie, wie sie als Methode zur Zertrümmerung von Nieren- und Gallensteinen bekannt ist, auch für die Behandlung von orthopädischen Krankheitsbildern geeignet ist. Hier konnten gute bis sehr gute Erfolge bei Ansatztendinosen an folgenden Körperteilen erreicht werden:

  • Ellenbogen: Tennis- und Golfer-Ellenbogen
  • Hüfte: Entzündung des Sehnenansatzes oder des Schleimbeutels über den  
  • großen Rollhügel

  • Knie: Ansatzreizung der Kniescheiben-Sehne
  • Ferse: Fersensporn und “Achillodynie” als Ausdruck einer Sehnenüberlastung am Fersenbein (Ansatz der großen Fußsohlensehne bzw. der Achillessehne)
  • Kalkschulter: Bisweilen sehr schmerzhafte Kalkablagerung im Sehnenverlauf an der Schulter mit Entzündung des benachbarten Schleimbeutels
  • schlecht heilenden Knochenbrüchen, den Pseudarthrosen: Hier kommt es statt zu einer festen knöchernen Ausheilung des Bruches nur zu einer nicht stabilen bindegewebigen Verbindung der Knochenbruch-Enden.

Wie wirkt nun die Stoßwellentherapie?

Bei den knochennahen Weichteilschmerzen (Ansatztendinosen) führen mittels einer komplizierten Technik erzeugte und gebündelten Ultraschallwellen (“Stoßwellen”) zu einer mechanischen Überreizung der schmerzleitenden Nervenfasern im Behandlungsgebiet. Dies führt für eine längere Zeit zu einer Abnahme der Schmerzempfindlichkeit. Gleichzeitig werden die körpereigenen Reparaturmechanismen angeregt, womit eine völlige Ausheilung möglich ist.

Wenn eine Kalkschulter behandelt wird, bewirkt die Energie der Stoßwelle eine strukturelle Veränderung des Kalkdepots, die körpereigenen Reparatur-Funktionen können die veränderten Kalkpartikel auflösen, und das Kalkdepot verschwindet. Außerdem wird der entzündlich veränderte Stoffwechsel im Sehnenbereich normalisiert.

Im Fall von nicht heilenden Knochenbrüchen (Pseudarthrosen) regen die Stoßwellen die Bildung von knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) an, die die instabile Bindegewebsbrücke im Bruchbereich in festes Knochengewebe umwandeln.

Wann kommt eine Stoßwellentherapie nicht in Frage? (Kontraindikationen)

Da die Stoßwelle einen starken gebündelten mechanischen Impuls setzt, kann es bei der Behandlung zur Entstehung von harmlosen kleinen Blutergüssen kommen, die bald wieder verschwinden. Auch empfindliche anatomische Strukturen sollten nicht der Wirkung der Stoßwelle ausgesetzt werden.

Gegenanzeigen, die nach heutigem Erkenntnisstand eine Anwendung der extrakorporalen Stoßwellentherapie verbieten:

  • Patienten mit Blutgerinnungsstörungen und Marcumar-Patienten
  • Beschallung von Gefäßen, Nerven, Darm und Lunge
  • Behandlung von Rippen, Wirbelsäule, Schädelknochen
  • Herzschrittmacher
  • Cortisoninjektion 6 Wochen vor der Behandlung
  • Infektionen im Behandlungsgebiet
  • Knocheninfektionen (Osteomyelitis)
  • Schwangerschaft
  • Tumorerkrankungen
  • Wachstumsfugen bei Heranwachsenden

Was sagt die Krankenkasse zu einer extrakorporalen Stoßwellentherapie?

Die ESWT wird noch als alternative Behandlungsmethode gewertet und deswegen auch im Fall einer drohenden Operation mit Narkose, Ruhigstellung, Nachbehandlung und Arbeitsunfähigkeit nicht von der Gesetzlichen Krankenkasse übernommen, obwohl die Stoßwellentherapie ambulant durchgeführt wird und der Patient normalerweise seine Arbeitsfähigkeit behält.

Meistens übernehmen die privaten Krankenkassen die Kosten für die Behandlung der Kalkschulter.

Die Vorteile der extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) auf einen Blick:

  • es ist eine nichtinvasive Therapie
  • es ist eine ambulante Behandlung, d.h. Sie können nach der Therapie nach Hause gehen
  • es ist keine Anästhesie notwendig
  • die Behandlungszeit ist sehr kurz
  • es sind keine ernsthaften Nebenwirkungen bekannt

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